Der Studienkreis Film, das Institut für Medienwissenschaft und die Fachschaft Gender Studies präsentieren:

Medea

Film & Vortrag von Claudia Lenssen// 01.06.'11// 18:30h// HZO 20

Brutale Kindsmörderin, notgeile Furie oder leidenschaftliche Freiheitskämpferin gegen das Patriarchat? Medea polarisiert wie kaum eine andere Figur der griechischen Mythologie und wird nicht nur von Feministinnen gleichermaßen vergöttern oder verhasst. So viele Gesichter die Königstochter seit ihrer ersten künstlerischen Bearbeitung trug, keines war je so expressiv wie das der Operndiva Maria Callas, das der ebenso streitbare italienische Regisseur Pier Paolo Pasolini für seine Version des Mythos in Szene setzte. Pasolini, der kurz nach der Vollendung des zynisch die brüchige Membran zivilisierter Menschlichkeit zertrümmernden DIE 120 TAGE VON SODOM selbst einem bestialischen Mord zum Opfer fiel, widmete sein Schaffen den Verstoßenen und thematisierte oftmals Sexualität, Tod und Gewalt. Umso erstaunlicher, dass er mit MEDEA ein bei aller expliziten Brutalität fast zärtliches Portrait liefert. Callas Interpretation, auf der Bühne legendär und durch Pasolini auf Zelluloid verewigt, ist betörendes Antlitz, schmerzverzehrte Trauermiene und rasende Fratze zugleich, die man sich nicht in der Überlebensgröße des Kinos entgehen lassen sollte.