Zwischen Sichtbarkeit und Doppelleben
Schwul / lesbisch Sein in Polen und Russland
- Do 03.12.2009 18:30 Uhr - KulturCafé
- Vortrag von Ilka Borchardt (LSVD NRW) und Jacek Marjanski (rubicon, Köln)
- Eintritt frei
In Deutschland wird von den allsommerlichen CSD-Paraden oft medial vor allem über Extravaganzen und die Ausprägungen einer Spass-Cmounity berichtet. In Osteuropa hingegen haben die Demeostrationen einen weit aus politischen Charakter, oft auch in einer gewaltätigen Gegenbewegung geschuldet. Jacek Marjanski referiert über die akuelle Situation des CSD in Kraukaus. Auf dem Hintergrund eigener Migrationserfahrunngen ist die Zusammenarbeit und Vernetzung von und mit Gruppen lesbisch-schwuler MigrantInnen in Deutschland sowie mit LGBT-Communities in Krakau, Paris, Prag, Antwerpen und Manchester sein Herzensanliegen und beruflicher Schwerpunkt.
Neben der offensieven Sichtbarkeit lässt sich aber im ehmaligen Ostblock ein anderes gesellschaftliches Phänomen feststellen, das für uns recht antiquert wirkt. Zwar hat sich den zurückliegenden Jahren die Situation vieler Schwuler und Lesbendeutlich verändert und eine größere Sichtbarkeit in gesellschaftlichen Bereichen erlangt. Können Homosexuelle ihr sexuelle Identität auch so selbstverständlich leben, wie dies in Deutschland - zumeist - möglich ist? Und welche Konsequenzen hat das für das Leben als schwul-lesbische MigrantInnen in Deutschland?
Weibliche Homosexualität wurde in der Sowjetunion zwar nicht strafrechtlich verfolgt, wie schwule Männer. Doch mussten lesbisch lebende Frauen, egal welchen Alters, mit Zwangspsychiatrisierung rechnen. Heute besteht offiziell keine Möglichkeit der Zwangseinweisung mehr. Viele Lesben in Russland scheinen jedoch ein Doppelleben mit Heirat und heimlichem lesbischen Leben zu führen. Gibt es Alternativen zwischen Doppelleben und öffentlich sichtbarem homosexuellenLeben, wie in Moskau und St. Petersburg?
Solche und ähnliche kulturspezifische Erfahrungen können und sollten auch in der sozialen und politischen Arbeit mit MigrantInnen in Deutschland berücksichtigt werden. Die Referentin Ilka Borchardt ist Leiterin des Projekts „Migrationsfamilien“ des LSVD.